Svenja Garbade

„Wenn du deine Diss in drei Sätzen Anderen erklären kannst, dann kannst du abgeben.“ – Aber wie komme ich dahin?

Ein Gastbeitrag von Katja Zehbe

Jede*r, der*die schon einmal intensiv an einem Text gearbeitet hat, fragt sich irgendwann, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, den Text abzugeben. Bei einer so umfangreichen Arbeit wie einer Dissertation stellt sich diese Frage noch mehr, fällt einem doch immer noch etwas ein, was man noch ergänzen könnte, noch schreiben könnte, noch verbessern könnte. Dieser Beitrag möchte einen kleinen Einblick in eine der vielen Möglichkeiten geben, wie es gelingen kann, sich von der Diss zu lösen und abzugeben.

Der richtige Zeitpunkt?

Oft wird die Abgabe als finaler Punkt beschrieben, wenn beispielsweise die verabredete Deadline ansteht, die Prüfungsordnung/Promotionsordnung die Abgabe vorsieht oder private und berufliche Gründe die Abgabe nun nötig machen. Eher selten geht dieser finale Punkt mit dem eigenen Gefühl einher, jetzt auch für die Abgabe innerlich bereit zu sein und sich vom jahrelang gehegten und gepflegten Projekt Dissertation lösen zu können. Groß war all die Kraft und Zeit, die investiert wurde… vielleicht lässt sich die Abgabe daher eher als ein Prozess verstehen, der schon lange beginnt, bevor die Arbeit schließlich eingereicht wird.

Die drei Sätze

Es gibt bekanntermaßen viele Möglichkeiten, diesen Prozess anzubahnen und voranzutreiben. Mir hat ein guter Tipp meiner Betreuerin sehr geholfen, den ich gern teilen möchte. Sie riet mir: „Wenn du deine Diss in drei Sätzen Anderen erklären kannst, dann kannst du abgeben.“ Erste Versuche fallen hier meist schwer, doch mit der Zeit wird es besser.

Was ist das Gute daran?

Sich über diese drei Sätze klar zu werden, schafft Klarheit im Kopf über das Profil und den Inhalt der eigenen Arbeit. Sie helfen zu entscheiden, welche Kapitel vielleicht schon fertig sind und welche Kapitel noch einmal angeschaut werden wollen. Auch die eigene Zufriedenheit nimmt damit zu. Möglicherweise fällt einem die Kurzvorstellung der eigenen Forschung auf Tagungen, neben dem eigenen Poster, in Kolloquien oder in Nachwuchsgruppen leichter. Auch hier kommt oft die Anfrage: „Stell dich doch mal vor und sag kurz was zu deiner Forschung.“ Die bewusste Auseinandersetzung mit diesen drei Sätzen kann helfen, die eigene Selbstdarstellung zu verbessern, nach außen hin besser über die eigene Arbeit zu kommunizieren und damit auch mehr Anschlusspunkte und Vernetzungsmöglichkeiten zu schaffen. Möglicherweise geht damit dann auch v.a. in der Endphase der Diss ein Gefühl einher, die Arbeit (bald) loslassen zu können.

Worüber man nachdenken kann

Folgende Fragen können helfen, die drei Sätze für sich auf einem Blatt Papier zu sortieren, denn es aufzuschreiben ist noch einmal etwas anderes als es zu erzählen:

  • Was ist mir besonders wichtig an meiner Diss?
  • Warum ist mir mein Forschungsthema / Methodik / etc. in meiner Diss so wichtig?
  • Möchte ich nur berichten oder auch neugierig machen auf meine Arbeit?
  • Möchte ich bereits in diesen drei Sätzen an bestimmte Forschungsarbeiten oder theoretische Ansätze anschließen und mich darüber fachlich positionieren)?
  • Was sollen Andere über meine Forschung (und mich) in Erinnerung behalten?

–> Was möchte ich über meine Forschung und damit auch über mich kommunizieren?

Mir hat dieser Tipp geholfen, meine Arbeit aus einem anderen Blickwinkel nochmal zu betrachten und dann Stück für Stück die Arbeit loszulassen… und abzugeben. Ich wünsche euch das Gleiche.  

Beste Grüße und alles Gute,

Katja Zehbe

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Katja Zehbe hat Rehabilitationspädagogik studiert und ist derzeit als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Stiftung Universität Hildesheim sowie als Lehrbeauftragte an der Alice-Salomon-Hochschule tätig. Sie hat im Sommer 2020 erfolgreich ihre Dissertation verteidigt. Ihre Forschungsinteressen liegen in einer konsequent inklusiven frühkindlichen Bildung, der reflexiven und rekonstruktiven Forschung sowie der Förderung von allen Kindern.

(Selbstbeschreibung in drei Sätzen 🙂 )