Svenja Garbade

Diversitykoffer von Klische*esc im Einsatz in der differenzreflexiven Lehre

In diesem Semester führe ich ein Seminar zu Diversitätssensible Materialien in der Kindheitspädagogik durch. Dieses Seminar wird in Kooperation mit dem Klische*esc durchgeführt, deren wunderbaren Diversity-Koffer die Abteilung angeschafft hat. Im Seminar mit Masterstudierenden sollen Methoden entwickelt werden, die übergreifend zu den Inhalten des Koffers funktionieren, um pädagogischen Fachkräften Optionen für diversitätsreflexives Handeln mit der Zielgruppe 6-11 geben zu können. Im Mittelpunkt steht also auf der einen Seite der Koffer, über den wir gemeinsam Diversitätsreflexivität erfassen. Auf der anderen Seite ist die Methodenentwicklung relevant. Dies ist mit Blick auf das Curriculum besonders hervorzuheben, da die Studierenden selbst befähigt werden, Diversitätsreflexivität zu fassen und diese in spezifische Methoden/Übungen umzuformen.

Getting Started: Diversitätsreflexive Materialien verstehen und beschreiben

Zuerst werden im Seminar Gruppen gebildet, die jeweils in drei Tauschrunden drei Kinderbücher und ein Fachbuch analysieren und die Diversitätsreflexivität beschreiben. Aufgrund der hohen Inzidenzzahlen im November 2020 wurde die geplante 14tgl. Präsenzlehre in synchrone Online-Lehre umgewandelt. Die Bücher werden für die erste Runde somit verschickt bzw. einzeln am Campus übergeben. Damit die Bestellung der Bücher vereinfacht wird und auch die iterative Bearbeitung der Beschreibungen der vorliegenden Diversitätsreflexivität sowie eine Verschlagwortung möglich wird, wurde ein Online-Shop eingerichtet, bei dem nur registrierte Nutzende bestellen und bearbeiten können.

Alle Bücher wurden hier mit Bild und Inhaltsbeschreibung eingefügt, die Studierenden erhielten zur Bestellung einen Account und können darüber auch mit eingeschränkten Rechten das Backend der Website bearbeiten. Die Website hat einerseits den Vorteil, dass die Umstellung zu Online-Lehre weniger Probleme bereitet, andererseits können die Studierenden die Bearbeitung eines Backends kennenlernen und der Shop kann nachhaltig für weitere Materialien und Bücher in späteren Seminaren eingesetzt werden.

Methodenentwicklung über Heuristiken und zu vermittelnde Werte

Nach der Bezugnahme auf Riegel (2016), Czollek et al. (2019) und Boger (2019) entwickeln die Studierenden einen Überblick zu den Mechanismen von Differenzverständnissen und können somit über Metakategorien Methoden entwickeln. Die Studierenden werden angeleitet, sich aufgrund ihrer spezifischen Interessen für bestimmte Werte oder kategoriale Verwobenheiten zu entscheiden, was für eine Methode sie in der Arbeitsgruppe entwickeln möchten. Dabei hilfreich sind bereit gestellte Methoden, deren Analyse den Studierenden eine Metastruktur vermittelt, wie Methoden funktionieren können. Daraufhin entwerfen sie ein erstes Methodendesign, das in der Plenumsgruppe vorgestellt und deren vorliegenden Ideen und eventuelle Problemlagen diskutiert und peer-reviewed werden. Dabei steht es den Studierenden frei, eine Methode für 6-11jährige Kinder oder für pädagogische Teams zu entwickeln. Relevant ist, dass diese Methoden übergreifend zu einzelnen Kinder- oder Fachbüchern stattfinden kann und sie sich an entsprechenden Werten orientiert, für die sensibilisiert werden soll.

Experimentelles Design: Herausforderungen und Chancen

Gerade in diesem Wintersemester, in dem nicht klar ist, wie viel Präsenzlehre sinnhaft ist, ist das hier vorgestellte Seminar eine Basis voller Unsicherheit. Die Erschließung der Bücher und bereitgestellten Methoden erfordert eine hohe Eigenverantwortung und Selbstorganisation der Studierenden. Transparenz und Diskursverständnis erscheint mir besonders wichtig, nachdem nun die ersten Sitzungen stattgefunden haben. Die Studierenden partizipieren gern und entwickeln auch für aufkommende Problematiken gemeinsam konsensfähige Lösungen. Von Anfang an habe ich transparent gemacht, dass dieses Seminar ein „Testballon“ ist und wir nicht wissen, wie das Ergebnis aussehen wird. Die Gestaltungskompetenzen der Studierenden wurden so direkt angefragt und sie haben die Möglichkeit, die Strukturen der Arbeitsweise und die Vorgehensweise infrage zu stellen und mit der Gruppe zu diskutieren, sollte es für einzelne Gruppen oder Personen nicht funktionieren. Hierfür wurde in der angegliederten Online-Lern-Plattform ein Forum eingerichtet.

Welche Früchte das Seminar trägt, werde ich gern am Ende berichten. Die erarbeiteten Methoden erhalten die Chance (unter Nennung der Erstellenden) in einen neu entwickelten Koffer einzumünden und auf der eigens eingerichteten Online-Plattform für kommende Studierende als Downloadprodukt eingesehen zu werden.