Svenja Garbade

Bloggen in der Wissenschaft – ein Anfang

Ich denke schon länger über das Bloggen nach. Bloggen ist für mich verbunden mit Ausdruck, Persönlichkeit und klaren, knappen Positionen. Die Artikellänge ist überschaubar und Schlagworte werden benannt. Eigentlich also genau das Gegenteil von meinem Kerngeschäft – dem wissenschaftlichen Schreiben. Sowohl in der Lehre als auch in der Forschung von Erziehungswissenschaft ist die präzise Beschreibung von sozialen Phänomenen sehr relevant. Ich habe diese Vorgehensweise mittlerweile zu schätzen gelernt, ein neues Vokabular gelernt und kann gut dichte Texte schreiben. Sprache ist in der Erziehungswissenschaft das Mittel, um konkrete und genaue Informationen zu vermitteln. Das Bloggen jedoch scheint eine schnellere Form des Austauschs zu sein. Die Texte entstehen spontaner und zeigen somit auch andere Ausschnitte des Lebens einer Person. Während ich für einen fertigen Artikel viele Monate im Review-Prozess benötige, kann ich diesen Blogartikel (noch ungeübt) innerhalb weniger Tage veröffentlichen.

Darf Wissenschaftler*in das eigentlich?

Doch darf Wissenschaftler*in das eigentlich? Mehr von sich zeigen als rekonstruierte Daten? Da scheiden sich die Geister. Da ich jedoch konstruktivistisch forsche und lehre glaube ich, dass Wissenschaftler*innen die Dimensionen ihrer Lebenswelt zumindest reflektieren müssten. Die Spannungsfelder sind groß: strikte Beschreibungen von sozialen Phänomenen herzustellen, dann doch als Expert*in für ein spezifisches Thema angefragt zu werden und auch Handlungsempfehlungen zum Beispiel in der Lehre zu geben. Zentral ist: Wissenschaftler*innen haben vielfältige Persönlichkeiten mit biografischen Erfahrungen und eigenen Lebenswelten. Da dies aber nicht unbedingt thematisiert wird, ist diese Dimension und dessen Reflexion relevant für die Personen selbst. Bloggen kann eine Möglichkeit sein, eben diese Schnittstelle zwischen Person und wissenschaftlichen Ergebnissen herzustellen.

Ein Thema klar machen: Kindheit und Differenzherstellung

Meine Themen sind Kindheit, die Herstellung von Differenz, wie class, gender, race* und body, wie auch Professionalisierung von Kindertagesbetreuung. Als Wissenschaftlerin in der Lehre bin es gewohnt, neue Denkansätze in Seminarräume zu bringen. Die Menschen sind irritiert und bringen alle ihre Stereotype mit, die ihnen die Mehrheitsgesellschaft über die beiden Phänomene vermittelt hat. Das ist wunderbar. Denn nur mit der Anerkennung eben jener Stereotype kann tatsächlich eine Irritation stattfinden. Sowohl zu Kindheit und Differenzherstellung in Bezug auf das Geschlecht z.B. gibt es viele Vorurteile und Fragmente, die einer Einordnung bedürfen. Dazu kann das Bloggen gut sein und neue Perspektiven aufzeigen.

Teilen von Erfahrungen: Bloggen über Lehre, Forschung und den Arbeitsalltag als Wissenschaftlerin

Das Bloggen kann aber nicht nur eine Möglichkeit sein, meine Themen stark zu machen und einen Teil der Wissenschaftskommunikation darzustellen. Für andere Wissenschaftler*innen können auch (Teil-)Ergebnisse eingesehen werden. Auch aus der Lehre möchte ich Zwischenergebnisse, Seminarideen und -konzepte zeigen und somit eine weitestgehend unsichtbare Arbeit sichtbar machen. Ebenso ist es mein Anspruch meinen Arbeitsalltag als Wissenschaftlerin zu teilen, Arbeitsstrategien und -methoden zu zeigen, die anderen nutzen könnten. Soweit zur Rahmung dieses Blogs. Ich freue mich auf einen konstruktiven Austausch.

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